Das Schlafverhalten im Verlauf des Lebens

Schon bald ist es wieder soweit und die ganze Familie sitzt zusammen unter dem Weihnachtsbaum: Die Grosseltern, der Sohn im Teenager-Alter, die kleine Tochter und der Partner oder die Partnerin. Oma und Opa sind bereits seit dem frühen Morgen auf den Beinen, während der ältere Sohn bis am Mittag im Reich der Träume lag. Kaum stand er auf, legten sich die Grosseltern für ihr kurzes Nickerchen hin. Der Sohn ist jetzt aber voller Energie – während seine kleine Schwester trotz der Aufregung und Freude langsam glasige Augen kriegt. Wie kommt es zu diesen unterschiedlichen Energieniveaus? Und was hat es mit dem Schlafverhalten resp. dem Alter zu tun?

Unser Schlafverhalten im Verlauf des Lebens ist alles andere als konstant: Der Schlafbedarf und die Schlafphasen verändern sich und Schlafprobleme nehmen tendenziell zu. Träumen Babys beispielsweise bis zu acht Stunden, sind es im Erwachsenenalter nur noch rund 1.5 Stunden pro Nacht. Wie das Alter unser Schlafverhalten und die Schlafqualität verändert, erfahren Sie hier.

Säuglinge – Entwicklung im Schlaf

Wer ein Baby im Umfeld hat, der weiss: Babys benötigen viel Schlaf – sehr viel Schlaf. Tatsächlich schlafen Neugeborene bis zu 16 Stunden pro Tag. Das ist wichtig für ihre Entwicklung, denn sie müssen körperlich und geistig enorm wachsen.
Die menschliche Körperuhr braucht übrigens fast 6 Monate, um sich zu entwickeln. Bis es so weit ist, haben die meisten Säuglinge ein ziemlich unregelmässiges Schlafmuster. Bereits in diesem Alter hilft es, dem Baby gleichbleibende Abläufe zu schaffen. Versuchen Sie, morgens zur gleichen Zeit aufzustehen, zu regelmässigen Zeiten zu füttern und Ihr Kind abends zur gleichen Zeit schlafen zu legen. Stillen Sie nachts nur bei gedämpftem Licht und vermeiden Sie es, dann mit dem Baby zu spielen. Einschläfernde Wirkung hat auch das Abspielen von monotonen Geräuschen wie das Rauschen einer Waschmaschine oder eines Autos.

Kinder – Verarbeitung im Schlaf

Im Verlauf der Jahre lernen Kleinkinder sitzen, laufen und sprechen – und auch in Sachen Schlaf verändert sich einiges: Jetzt benötigen sie «nur» noch rund 9-11 Stunden Schlaf. Während dieser Zeit kann ihr Gehirn die vielen neuen Eindrücke vom Tag verarbeiten und speichern. Im Gegensatz zu Erwachsenen schlafen kleine Kinder meistens ohne Probleme und relativ schnell ein.
Eltern sollten ihren Kindern helfen, schon im Kleinkindalter gute Schlafgewohnheiten zu erlernen. Dies ist beispielsweise mit einer Routine vor dem Zubettgehen möglich: Eine früh erlernte Schlafroutine kann Einschlafprobleme im Erwachsenenalter vorbeugen.

Teenagers – Hormonumstellung im Schlaf

Wer ein Kind im Teenager-Alter hat, der weiss, dass sich in der Pubertät die Körperuhr verändert: Jugendliche tendieren dazu, abends länger aufzubleiben und dafür morgens länger zu schlafen. Dem zugrunde liegt eine biologische Veranlagung – die sich leider nur schwer mit dem Schulsystem vereinbaren lässt. Mit rund 8-10 Stunden Schlaf pro Nacht benötigen Heranwachsende noch immer mehr Schlaf als Erwachsene, da ihr Körper mit der Umstellung des Hormonhaushaltes beschäftigt ist. Ein unterschiedlicher Rhythmus von Wochentagen und Wochenende beeinflusst zusätzlich Schlafqualität und Konzentrationsfähigkeit enorm.
Sprechen Sie mit Ihren Kindern über die möglichen Folgen von Schlafmangel, denn die sind sich deren meist nicht bewusst.

Erwachsene – mehr Zeit zum Einschlafen

Vielleicht kennen Sie das: In wenigen Minuten befinden Sie sich im Tiefschlaf, während Ihr Partner oder Ihre Partnerin fast eine Stunde benötigt, um ins Land der Träume zu gelangen? Im Erwachsenenalter sind die individuellen Unterschiede hinsichtlich Einschlafdauer sehr gross. Ein gleichbleibender Schlafrhythmus kann helfen, abends schneller einzuschlafen. Auch wirkt es unterstützend, sich nur zum Schlafen im Bett aufzuhalten und einige Stunden vor dem Zubettgehen kein Koffein oder Alkohol mehr zu sich nehmen. Auch Entspannungsübungen können helfen, den Stress abzubauen und schneller einzuschlafen.
Individuelle Unterschiede hin oder her: Erwachsene brauchen durchschnittlich rund 7-9 Stunden Schlaf, um am nächsten Tag ausgeruht zu sein.
In früheren Jahrhunderten schliefen die jungen Erwachsenen übrigens deutlich länger als heute: In industrialisierten Ländern hat die Schlafdauer von 9.5 auf 7 Stunden abgenommen. Leider hat sich das menschliche Gehirn bis heute noch nicht an die verringerte Schlafdauer anpassen können, sodass einige Erwachsene an chronischem Schlafdefizit leiden.

60+ – weniger und flacher Schlaf

Sie stehen morgens immer früh auf, aber klagen über Einschlafschwierigkeiten am Abend? Das ist leider oft der Fall… Denn mit zunehmendem Alter nimmt das Schlafbedürfnis ab. Ab ca. 60 Jahren benötigen wir nur noch rund 7-8 Stunden Schlaf. Vielfach ist es so, dass wir im fortgeschrittenen Alter den Schlaf über den Tag hinweg verteilen – etwa mit einem Nickerchen am Nachmittag – und dadurch den Schlafdruck am Abend senken. Darum benötigen wir abends bis zu einer Stunde zum Einschlafen. In dem Fall kann ein Abend-Spaziergang Abhilfe schaffen, denn Bewegung und frische Luft sorgen für körperliche Müdigkeit.
Da wir etwa ab Pensionsalter nicht mehr so tief schlafen, ist unsere Weckschwelle dann niedriger und wir sind störungsanfälliger für Geräusche. Die Abnahme der Tiefschlafphasen führt dazu, dass wir morgens nicht mehr so ausgeruht sind wie jüngere Erwachsene. Ein abgedunkeltes und geräuscharmes Schlafzimmer ist dann besonders wichtig.
BICO wünscht – egal, ob alt oder jung – einen erholsamen Schlaf und frohe Weihnachten!